TYPO3 Dialogue Days: Zwischen Reibung, Verantwortung und Aufbruch
Zwei Tage voller Gespräche, Diskussionen und deutlicher Kritik liegen hinter uns. Der Vorstand der TYPO3 Association hatte nach Düsseldorf eingeladen, um über zentrale Weichenstellungen für die Zukunft von TYPO3 zu sprechen.
Im Mittelpunkt standen für mich zwei Themen: die geplante Neuordnung der bisherigen Teams in Units mit klareren Strukturen und Verantwortlichkeiten sowie eine TYPO3-basierte Solution als möglicher zusätzlicher Weg, die Arbeit der TYPO3 GmbH und des Open-Source-Projekts langfristig zu finanzieren.
Bevor wir inhaltlich arbeiten konnten, musste jedoch zunächst eine gemeinsame Grundlage geschaffen werden. Dem Vorstand schlug von Beginn an ein rauer Wind entgegen. Kritisiert wurden insbesondere die mangelnde Transparenz und die Tatsache, dass im Vorfeld keine ausführlichen Unterlagen veröffentlicht worden waren.
Mithilfe professioneller Moderation gelang es schließlich, gemeinsame Punkte herauszuarbeiten und die Diskussion über die reine Kritik hinauszuführen.
Kritik braucht Grenzen
An dieser Stelle ist mir ein persönlicher Exkurs wichtig: Kritik an Entscheidungen, Prozessen und Strukturen ist notwendig. Einige Wortmeldungen überschritten für mich jedoch die Grenze zwischen sachlicher Kritik und persönlichem Angriff.
Auch wenn die zugrunde liegenden inhaltlichen Punkte teilweise berechtigt waren, war die Art und Weise, wie sie vorgetragen wurden, in meinen Augen nicht akzeptabel.
Als Contributor, der keinem der Core-Teams angehört, bin ich möglicherweise weniger emotional in die bestehenden Konflikte involviert. Dadurch fällt es mir vermutlich leichter, Abstand zu einzelnen Aussagen zu gewinnen.
Der Vorstand – und besonders Olivier Dobberkau – musste während der beiden Tage einiges einstecken. Deshalb möchte ich die Gelegenheit nutzen, dem gesamten Vorstand für seine Arbeit zu danken. Auch wenn sicherlich Fehler gemacht wurden, erkenne ich bei den Beteiligten den ernsthaften Willen, TYPO3 und die Community voranzubringen.
Kritik und Dankbarkeit schließen sich nicht aus. Beides muss möglich sein.
Mehr als ein CMS: TYPO3 als gemeinsame Heimat
Nachdem die emotionalen Belastungen etwas in den Hintergrund gerückt waren, begann die Suche nach Gemeinsamkeiten und grundlegenden Prinzipien.
Dabei wurde deutlich, dass TYPO3 für viele Menschen eine Art Heimat ist. TYPO3 ist mehr als ein technisches Produkt und auch mehr als eine lose organisierte Open-Source-Community.
Überrascht hat mich, wie viele Menschen seit Jahren Teil der TYPO3 Community sind, obwohl sie beruflich oder technisch kaum noch direkt mit dem Produkt arbeiten. Die entstandenen Verbindungen reichen weit über den gemeinsamen Code hinaus.
In diesem Zusammenhang wurde auch der Claim „Inspire People to Share“ wiederentdeckt. Er beschreibt noch immer gut, was TYPO3 im Kern ausmacht: Wissen teilen, gemeinsam Lösungen entwickeln und Verantwortung übernehmen.
Gleichzeitig steigt der Druck auf das Projekt. Der Einsatz von KI erleichtert und beschleunigt das Erstellen von Codebeiträgen. Dadurch wächst jedoch auch die Zahl der Contributions, die geprüft und bewertet werden müssen. Während sich Code schneller erzeugen lässt, bleibt ein sorgfältiges Review anspruchsvoll und zeitintensiv.
Hinzu kommt die Herausforderung des Generationenwechsels. Viele Beteiligte prägen TYPO3 bereits seit Jahren oder Jahrzehnten. Gleichzeitig müssen neue Contributor gewonnen, Wissen weitergegeben und Einstiegshürden reduziert werden.
Die geplante Umstrukturierung von Teams zu Units soll auf diese Herausforderungen reagieren. Klarere Prozesse, Zuständigkeiten und Entscheidungswege sollen die einzelnen Bereiche handlungsfähiger machen und die Beteiligung erleichtern. Zukünftig sollen dabei auch mehr hauptamtliche Mitarbeitende zum Einsatz kommen.
Das Konzept der Units wird nun mit den Teamleads und den bestehenden Teams weiter ausgearbeitet. Anschließend sollen die Vorschläge öffentlich zur Diskussion gestellt werden.
Neue Erlösmodelle: Was hinter der "TYPO3 Solution" steckt
Zusätzliche hauptamtliche Mitarbeitende sollen unter anderem durch eine “TYPO3 Solution” finanziert werden – ein kommerzielles Produkt auf Basis von TYPO3.
Bisher finanziert sich die TYPO3 GmbH neben dem Partnerprogramm wesentlich über ELTS-Lizenzen. Deren Nachfrage ist jedoch rückläufig und das Modell nur begrenzt skalierbar. Zudem wird die TYPO3 GmbH die Compliance im Zuge der Cyber Resilience Act als Softwarehersteller übernehmen.
Mit der Solution sollen deshalb neue Zielgruppen und Einnahmequellen erschlossen werden. Wichtig ist dabei: Es soll kein klassischer Fork entstehen. Features, die für die Solution entwickelt werden, sollen zum Feature Freeze auch in den TYPO3 Core einfließen.
Ob dieses Modell funktioniert, wird vor allem davon abhängen, wie transparent die Prozesse gestaltet werden und wie eng Solution- und Core-Team zusammenarbeiten.
Was bleibt für mich hängen?
TYPO3 lebt von Beteiligung – und Beteiligung bedeutet mehr als Code zu schreiben. Reviews, Dokumentation, Testing und konstruktive Diskussionen sind ebenso wichtig.
Die geplante Unit-Struktur sehe ich daher als Chance, Verantwortung klarer zu verteilen und neue Mitwirkende besser einzubinden.
Bei der TYPO3 Solution bleibe ich noch skeptisch. Neue, skalierbare Finanzierungsmodelle sind notwendig. Trotzdem sollten auch Alternativen geprüft und offen diskutiert werden.
Trotz aller Reibungen überwiegt für mich der Optimismus. Die Herausforderungen sind groß, aber die Bereitschaft, gemeinsam an TYPO3 zu arbeiten, ist weiterhin spürbar.